Bangkok an einem Tag

B
Thorben und ich sind uns einig, dass die Reise mit den letzten beiden Tagen nich besser hätte beginnen können, soviel sei vorweg genommen! 🙂
Aktuell sitzen wir in unserem dritten Flug – nun geht es nach von Bangkok nach Auckland, wo wir nach einem halben Tag am Airport weiter Richtung Christchurch fliegen. Jetzt grade merke ich besonders, dass wir beide die ersten 6 Stunden Zeitumstellung ziemlich gut weggesteckt haben! Nach deutscher Zeit, ist es grade halb 9 Uhr abends und wir befinden uns auf der Hälfte unseres Nachtfluges und ich bin grade nach 5 Stunden Schlaf ziemlich gut erholt wieder aufgewacht und freue mich auf den ersten Tag in Neuseeland, wo es aktuell schon halb 7 Uhr morgens ist. Thorben ist noch fleißig am schlafen, aber ich werde ihn wohl bald wecken, um die Küste von Australien zu beobachten – hoffentlich ist es bis dahin bereits hell!
Doch bevor ich die beiden Tage ein wenig Revue passieren lasse möchte ich ein wenig schildern, wie die letzten Monate der Planung verliefen.
Wie früher bereits mal angerissen begann im Prinzip alles mit einer sehr spontanen Flugbuchung, weil ich dem Preis von 600€ für einen Flug von Zürich nach Christchurch einfach nicht widerstehen konnte. Was mir neben dem Preis sehr gefiel, was für die meisten vermutlich schon ein klares Argument gegen die Flüge gewesen wäre, war die Tatsache, dass wir an allen Flughäfen immer recht lange Aufenthaltszeiten von fast immer über 6 Stunden hatten. Mir gefallen solche Flüge viel besser, da man einerseits teils die Möglichkeit hat – zumindest für ein paar Stunden – noch einen völlig anderen Ort als das eigentliche Reiseziel kennenzulernen und da ich dann doch noch ein ganz schöner Flugzeugnarr bin, der auch gerne mal einen Tag in einem fremden Flughafen verbringt. Thorben geht es da zum Glück genauso! 🙂 Dieser Spinner, der grade vor mir auf einer ganzen Sitzreihe liegend schläft, da unser Flug total genial leer ist, denkt bei den Themen Reisen und Flugzeuge nämlich genau gleich wie ich, oder zumindest ist es bis jetzt so. Mal sehen was wir nach einem Monat sagen! 😀
Diese ähnlichen Ansichten und seine Spontanität waren auch der Grund warum ich ihn sofort als ich die Flüge sah bearbeitete, damit er mitkommen würde. Er ist auch schlicht der einzige den ich kenne, der bei sowas genauso spontan eine Entscheidung trifft wie ich, und dass ist auch das wichtigste in meinen Augen, damit einem eine solche Reise Spaß macht, denn zwischen dem geplanten und der Realität liegen auch an unseren ersten beiden Tagen bereits Meilen – und das ist auch gut so!
Ich begründe unsere bescheidenen Planungen der letzten Monate jetzt einfach mal mit genau dieser Spontanität, auch wenn andere Faktoren wie die schriftlichen Abitur Prüfungen natürlich auch nicht grade unser Planungsmanagement optimiert haben. So beschränkten sich unsere Vorbereitungen auf einige Treffen Anfang des Jahres, wo wir den grundlegenden Ablauf der Reise beschlossen.
Für die nun hinter uns liegenden beiden Tage war schnell alles klar. Nachdem wir die günstigsten Flüge nach Zürich buchten, die natürlich auch für ordentlich Aufenthalt sorgten, beschlossen wir an unserem ersten Zwischenstopp dort am Flughafen zu bleiben, einige Fotos zu machen und die Reise entspannt beginnen zu lassen. Diese Flüge waren mit ihrem Recht normalen Preis von etwa 150€ pro Nase bei unserem sonst so günstigen verschmerzbar und eine Reisezeit von so schön etwa 50 Stunden  reichte selbst uns. Des Weiteren wurden unsere Zweifel an der Zuverlässigkeit eines anderen deutschen Transportdienstleisters an unserem Abreisewochenende mehr als bestätigt .. 😉
Also gesagt getan – nach letzten groben Planungen und dem Packen unserer Sachen direkt in den zwei Tagen Pause zwischen zwei Abitur Prüfungen flogen wir am Sonntag den 10. Mai endlich los, nachdem wir am Freitag auch unsere Matheklausur gemeistert haben. Nun haben wir etwa 7 Wochen unterrichtsfreie Zeit, von denen wir gute vier Wochen unseren “Lernort” ein wenig umpositioniert haben, bis es an unsere mündliche Prüfung geht. Wir fühlen uns beide eigentlich bereits recht gut vorbereitet, weshalb wir uns sicher sind, dass uns die verbleibende Zeit mehr als ausreichen wird.
Nach einem entspannten und kurzen Flug nach Zürich verirrten wir uns die erste Stunde am Züricher Airport, der zumindest aktuell aufgrund diverser Bauarbeiten echt bescheiden beschildert ist. Irgendwann bekamen wir dann doch von einer netten Informationsdame eine Karte des Flughafens und wanderten ein wenig entlang der Landebahnen und sonnten uns bei angenehmen 25 Grad. Wenn es beim Abflug regnet sind solche Momente doch gleich noch viel schöner! 😉
Einige Stunden später erreichten wir mit ein wenig Puffer unser Gate in Richtung Bangkok, da wir recht schwer abschätzen könnten, wie lange die Sicherheitskontrolle dauern würde.
Unser erster Langstreckenflug auf dieser Reise mit Swiss war recht okay – netter Service, auch wenn die A340 die besten Jahre bereits hinter sich hatte. Leider konnte ich auf meinem echt engen Platz erst spät schlafen, jedoch reichten die etwa drei Stunden dann doch irgendwie um den Tag zu überstehen und zumindest die Zeitumstellung war für uns dadurch überhaupt kein Thema.
Bangkok war von Beginn an anders. Ich wusste auch nach Thorbens Erzählungen (war bereits einmal hier) nicht so ganz was ich zu erwarten hatte. Bislang wusste ich sehr wenig über Thailand und stellte es mir um einiges Unterentwickelter vor, als der Wahrheit entsprach. Dieser vorgefertigte Eindruck begleitete mich auch noch die ersten Stunden, und auch wenn ich beispielsweise von mir selbst sagen würde, dass ich gut und gerne Preise verhandle, musste ich mich erst an die Mentalität der Leute gewöhnen. Ich hatte die Erwartung, dass Touristen wirklich aufpassen mussten nicht abgezogen zu werden, und dem war auch so, aber was mich sehr beeindruckte war die Offenheit der Menschen, doch dazu komme ich gleich noch.
Am Flughafen fiel mir bereits der sehr freundliche und bemühte Umgang mit uns auf und als wir in die Bahn stiegen wurde mir erst so richtig bewusst, dass wir endlich unterwegs sind. Zwar sind die Züge an sich sogar moderner als bei uns, aber es war der erste Moment, an dem ich das erste Mal viele einheimische Leute auf einem Fleck sah. All die Eindrücke, die während der Fahrt in die Stadt auf mich wirkten, lassen sich schwer in Worte fassen. Von den Slums direkt neben durchaus modernen Häusern, bis hin zu dem auf den ersten Blick als Chaos wahrgenommene Durcheinander auf den überfüllten Straßen.
Dieses Chaos wurde deutlich präsenter, als wir an der Endstation mit einem Tuk Tuk unsere Reise als Teil fortsetzten. Noch viel aufmerksamer als die Taxis in New York stehen diese Höllengefährte an allen erdenklichen Orten, wo auch nur die geringste Chance besteht, dass sich Touristen dorthin verirren konnten. Selbst wenn man nur ansatzweise so aussieht als würde man auf der Suche nach einer Transportmöglichkeiten sein, steht plötzlich mindestens ein Tuk Tuk Fahrer neben dir, um dir einen völlig überteuerten Preis für ein unvergessliches Erlebnis auf Bangkoks Straßen anzubieten. Zu diesem ganzen durcheinander kamen knapp 40 Grad im Schatten bei hoher Luftfeuchtigkeit, die wir erst hier das erste Mal richtig erlebten, da der Flughafen und die Bahn voll klimatisiert waren. Der erste Schritt von 18 Grad in diese Hitze ist wie so oft ganz schön krass. Wird man sich daran irgendwann gewöhnen? Vermutlich nicht.
Thorben gab mir einen ersten Eindruck vom örtlichen handeln und schließlich saßen wir in einem dieser winzigen “Autos” und fuhren zu der Glaube ich größten Buddha-Statue der Welt – und das für 150 Bath anstatt der ursprünglich veranschlagen 500! Hier wurde mir der Preisunterschied zu Europa erst so richtig bewusst. Für umgerechnet etwa 3,50€ fuhr uns das Tuktuk etwa 25 Minuten durch die halbe Stadt. Zwei Sachen habe ich von Thorben gelernt, die hierbei wichtig sind. Erstens kann man mit etwas Geschick die Preise von fast allem wirklich enorm runterhandeln und zweitens sollte man aufpassen, dass man den Preis der Fahrt ganz klar vor der Fahrt festsetzt und klar sagt, dass man keinen Zwischenstopp in einem Geschäft machen möchte. Manche Fahrer bringen einen sonst erst in kleine Läden, wo versucht wird Ihnen etwas anzudrehen, was jedoch klar verneint werden kann. Genau vor solchen Situationen hatte ich eigentlich ein wenig Angst – also das z.B. diese Fahrer am Ende doch einen höheren Preis verlangen oder einen sonst wo hinbringen würden. Zumindest bei unseren drei Touren sollte ich eines besseren belehrt werden. Was mir total sympathisch im Hinterkopf geblieben ist, dass Vereinbarungen wirklich eingehalten werden. So fuhr uns ein Fahrer zu drei schönen Orten die wir davor besprachen und wartete teils tatsächlich länger auf uns, bevor es weiter ging. So war er eine knappe Stunde mit uns beschäftigt, und das für weniger als 3 Euro! Schon irgendwie verrückt..!

Als wir z.B. durch die Tempel rundum die riesige Buddah Statue gingen und von den schönen Gebäuden Fotos machten, merkte ich umso mehr wie uns die Zeit fehlte, wirklich etwas über diese Orte zu erfahren. Thorben brachte das ganze ziemlich treffend auf den Punkt, als er sagte, dass wir wie Chinesen umher gehen, die in Europa Kirchen fotografieren und von uns einheimischen oft belächelt werden. Irgendwie sollte uns das zu denken geben! 😀
..Sonne brannte wirklich genau im Zentit
Wenn man noch geiziger ist, kann man sein Leben auch auf solchen Rollern riskieren
MBK Essensoase, leckeres Essen bis zum Umfallen
Leider verging unsere Zeit viel zu schnell. Von Minute zu Minute gefiel mir die Stadt besser, besonders als wir zum Ende hin uns im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig treiben ließen und einfach durch die Straßen gingen. Wir entdeckten einen Basar der einheimischen und einige Läden die Aussahen wie aus einer anderen Zeit. Und wenn wir uns verirrt hatten, freute sich jeder einheimische uns helfen zu können. Schnell kam man ins Gespräch, und die üblichen Fragen wie der wo wir her kommen waren hier mit echtem Interesse verbunden, wodurch wir das eine oder andere nette Gespräch führten.
Nachdem wir schließlich in einem riesigen Shoppingcenter noch an Fälschungen jeder erdenklichen Marke vorbei gingen war es Zeit zum Airport zurückzufahren. Unsere Zeit war nicht sehr großzügig bemessen, wodurch wir doch ein recht mulmiges Gefühl hatten, da wir nicht genau wussten, wie lange die Fahrt und die Passkontrollen am Flughafen dauern würden. Doch letztendlich erwies sich unsere Zeit als ausreichend, als wir schließlich eine Stunde vor Abflug an unserem Gate ankamen.
Besser und interessanter hätte unsere Reise wahrhaftig nicht beginnen können! Mit Thailand habe ich ein Land kennengelernt, das mich sehr fasziniert, und ich hoffe sehr, dass ich bald die Möglichkeit habe, länger diesen Teil der Welt kennenzulernen. Kaum zu glauben, dass unsere eigentliche Reise uns noch bevorsteht, mit ihren ganz eigenen Faszinationen.
Nun sitzen wir in einer fast leeren Thai Maschine nach Auckland, und genießen es total mehr Platz als die Mitreisenden in der Business Class zu haben. So reist es sich echt sehr entspannt.
Ich bin sehr gespannt, wie dieses Abenteuer weiter geht und halte euch so gut wie ich kann auf dem laufenden!
Die Bilder von unseren richtigen Kameras kommen dann wohl nach dem Urlaub, bzw. evtl. auch früher, wenn wir mal einen Rechner finden.
Viele Grüße
Lenz

Über den Autor

Kommentar hinzufügen

  • Lieber Lenz, scheint nicht geklappt zu haben, mit dem ersten kommentar.
    Also nochmal. Mit Interesse habe ich Deine Thailand-Eindrücke gelesen,
    erzähle Dir gern mehr über buddhistische länder etc. wenn Du zurück bist.
    Mach schöne, gute Fotos!! Toll, dass Du so jung so andere Welten erleben darfst. Kannst dem Buddha gern dafür etwas opfern. Aber jetzt bist Du ja schon in Down Under und fast ein Kiwi, oder? Bleib gesund, schau Dich mit
    offenen Augen um und lass Dich von all dem Fremden bezaubern, bewegen und nachdenklich machen. Alles Liebe und viele Grüße, Silke (bin gerade gestern aus Kroatien wiedergekommen, auch ein tolles Land, obwohl natürlich nicht sooo fremd.

Kategorien