F.A.C. day minus Versammlungsfreiheit – Tag 6

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Nachdem wir wie durch ein Wunder trotz der Burger ohne Lebensmittevergiftung aufwachten ging es ans Frühstück bei unserem Gastgeber im Havanna. Schnell wurde klar, das unsere Kuba Reise vermutlich wenige kulinarische Hochpunkte für uns hervorbringen würde: Das Frühstück bestand aus halbwegs frischem Baguette und einer Knoblauch-Mayonnaise. Zumindest der Kaffee war jedoch sehr gut. 😀 Nach ein paar Bissen wurde klar, dass wir in der Stadt noch etwas kaufen müssten. Gesundes Essen zu finden sollte sich jedoch auch in den nächsten Tagen mit wenigen Ausnahmen als spannend herausstellen. Spätestens in den Supermärkten merkten wir so richtig, dass die einheimischen schlichtweg keinerlei Möglichkeit hatten an viele für uns selbstverständliche Dinge heranzukommen. Aber wir waren ja auch nicht zum Essen da, also brachen wir recht früh zusammen mit dem anderen Urlauber unserer Unterkunft auf um uns einen ersten Überblick zu verschaffen.
Unser Ziel war das José Marti Denkmal, das bereits vom weiten zu erkennen war. Als einer der wichtigsten Revolutionsführer stößt man an vielen Ecken auf seinen Namen. Doch am allermeisten bei dem ihm gewittmetem Turm, der sehr an nordkoreanische Architektur erinnert. Bereits von weitem wirkt das Monument beeindruckend hoch und massiv. Erst wenn man direkt davor steht realisiert man, dass dieses sehr viel kleiner ist als die Optik zunächst andeutete. Diese Art von architektonischem Protz fanden wir noch an vielen weiteren stellen der Stadt.
So richtig deutlich wurde dies an diesem Tag, als wir vor dem Kapitol im Schatten saßen, als plötzlich ein Polizeiwagen vor dem Gebäude bremste. Die Polizisten nahmen einen Mann der unauffällig in unserer Nähe saß fest und verfrachten diesen unter rufen einiger anderer Passanten ins Auto und fuhren weg. Soweit nicht weiter nennenswert, da wir natürlich keine Ahnung über den Grund dieser Festnahme hatten. Als nun jedoch nacheinander einige andere Passanten anfingen mit den übrigen gebliebenen Polizisten zu diskutieren und protestartige Rufe von sich zu geben, wurden diese ebenfalls nacheinander von einer Flut an weiteren Polizisten festgenommen und abtransportiert.
Selten wurde mir bislang so stark vor Augen geführt, dass auch politische Fundamente der Welt wie wir sie gewohnt sind alles andere als selbstverständlich sind. Dies mit eigenen Augen beobachten zu können hinterlässt ein komisches Bauchgefühl, das bei uns noch zu einigen Gesprächen auf dieser Reise und auch danach führen wird.
Nach einem sehr bescheidenen Abendessen ging es für uns kurz nach Hause und anschließend zur Fábrica de Arte Cubano (F.A.C.). Dies ist ein sehr neues Kulturprojekt der Regierung, dass uns unser Gastgeber empfohlen hatte. Hier finden mehrmals wöchentlich Abends diverse Konzerte, aber auch Modeschauen und andere Events statt, während sich in allen Räumen zusätzlich diverse Kunstausstellungen befinden.
Es war ein super geniales Erlebnis hier diverse Mojitos bei einem der Konzerte zu trinken, während wir von unzähligen Kunstwerken und Fotografien umgeben waren. Für einen Abend fühlten wir uns absolut nicht mehr in einem sozialistischem Entwicklungsland, sondern vielmehr in einer europäischen Metropole. Hier wird deutlich, dass die Regierung viel daran setzt für die jüngeren Generationen das Land attraktiver zu machen. In der Theorie klingt alles was wir über das Projekt gehört haben super vielversprechend. Besonders weil der Eintritt mit knapp 2€ auch für die meisten einheimischen bezahlbar ist. Leider waren wir dennoch neben ein paar andern Touristen eher von Kubas jungen Oberschicht umgeben. Nichtsdestotrotz war es ein genialer Abschluss meines ersten vollen Tages auf Kuba!

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