Mehr Glück als Verstand – Tag 5

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In Kuba anzukommen ist anders. Nachdem den Einreisebeamten gefühlt ausschließlich das kostenpflichtige “Visum” interessierte, stand ich bereits nach wenigen Minuten auf dem 34 Grad warmen Parkplatz von Varaderos winzigem internationalen Flughafen. Neben der in solchen Ländern zu erwartenden Flut an Taxen mit puren Wucherpreisen, fielen sofort die endlosen Massen an Reisebussen von “transtur” ins Auge. Kaum verließ einer den Platz wurde dieser durch gefühlt drei weitere ersetzt. Später sollte ich erfahren, dass es sich hierbei um fast die einzige (staatliche) Busgesellschaft handelt, welche die Besucherfluten in die verschiedenen (staatlichen) Hotelanlagen verfrachtet.
Nur mein Fernreisebus der selbstverständlich ebenfalls staatlichen Firma “viazul” zeigte sich erst eine knappe Stunde später, tatsächlich nur 25 Minuten nach Fahrplan. Mit diesem fuhr ich in Richtung Havanna – dank des überpünktlichen Fluges sogar zwei Stunden früher als geplant, sodass ich noch vor Einbruch der Dunkelheit ankommen würde. Rückblickend stellte sich dies als großes Glück heraus – vermutlich hätten Thorben und ich uns wie sich herausstellte sonst vermutlich nie an diesem Abend getroffen.
In Havanna angekommen entschied ich mich in alter Backpacker Manier die vier Kilometer bis zur Unterkunft trotz Gepäck für mein USA Auslandssemester zu Fuß zu gehen. Dort würde Thorben nach Plan auf mich warten. Also machte ich mich auf dem Weg durch die erbarmungslose Abendhitze, bis ich endlich genau an den gespeicherten GPS Koordinaten der Unterkunft ankam.. und entgeistert feststellen musste, dass weit und breit nicht das auf den Fotos abgebildete Wohnhaus zu sehen war.. Eine knappe halbe Stunde später in der Abenddämmerung fand ich bei der vierzigsten Runde um den Block glücklicherweise eine einheimische Engländerin, die bei meiner Casa Particular (privates Zimmer bei einer einheimischen Familie) anrief und herausfand, dass die GPS Koordinaten gut drei Kilometer falsch waren und dies auch bekannt war, aber anscheinend nicht wichtig genug war um darauf im Internet hinzuweisen..
Also machte ich mich erneut auf den Weg zum hoffentlich richtigen Ort, wo ich tatsächlich eine halbe Stunde später endlich das Haus von den Fotos fand! Begeistert ging ich zur Tür, nur um festzustellen, dass ich absolut keine Infos darüber hatte welcher der 12 durchnummerierten Klingelschilder mich zu meinem Bett nach 22 Stunden Anreise und evtl. auch zu Thorben führen würde. Letzteres nur falls er ebenfalls die Unterkunft telefonisch erreicht hatte, was die Tage zuvor sich als schwierig herausstellt hatte..
Ratlos klingelte ich mehrmals bei allen Klingelschildern und erhielt keinerlei Antwort. Inzwischen war es beinahe stockdunkel und ich begann mir ernsthaft Gedanken zu machen, wo ich nun bloß die Nacht verbringen würde. Also beschloss ich zur nächsten größten Kreuzung zu gehen und Ausschau nach einer anderen Unterkunft zu halten, auch wenn ich wusste, dass dies zur späten Stunde ohne spanisch relativ interessant werden würde..
Also kehrte ich zurück auf die Straße und begann loszuziehen, als ich jemandem von einem Balkon weit oben rufen hörte! Noch nie war ich so froh Thorbens Gesicht zu sehen! 😀 Er hatte von meinem Anruf gehört und anschließend auf dem Balkon Ausschau nach mir gehalten! Die Klingel war wie es sich gehört defekt gewesen..
Vollkommen am Ende meiner Nerven brauchte ich noch eine ganze Weile, bis ich schließlich realisierte, dass wir es tatsächlich doch noch geschafft hatten uns direkt zu finden und das ich tatsächlich endlich auf Kuba war! Letzteres wurde mir vermutlich erst bewusst, als ich am Abend noch den schlechtesten Burger meines Lebens von Thorben geschenkt bekam.
Was ein entspannter Anfang dieser Reise in eine Vergangenheitswelt. Wir freuen uns riesig auf die kommenden Wochen!

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