Auf kulinarischen Irrreisen – Tag 6

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Wie heißt doch ein allseits bekanntes Sprichwort: Die Guave fällt nicht weit vom Stamm.
Für mich, dessen Obstkonsum sich regelmäßig lediglich auf Äpfel, Bananen und Ananas beschränkt war allein schon der Anblick einer echten Guave Neuland. Ebenso war mit schleierhaft wie man dieses Teil nun isst. Meine Ratlosigkeit war mir wohl anzusehen, so dass meine “Gastmutter” es vormachte. Nachdem das Rätsel gelöst war konnte ich nun meine erste Guave verspeisen und war geschmacklich begeistert.
Heute klärt sich auch endlich die Frage, ob das mit den Busticket so hinhaut. Zwar bin ich schon am Busbahnhof, jedoch wurde ich zunächst in die, sicherlich von 50 Jahren schmucke, Wartehalle verwiesen. Ob ich nun fahren kann oder nicht wird sich zeigen.
¯\ (ツ) /¯
Für Unterhaltung ist hier jedoch auch gesorgt. Es läuft mal wieder irgendwas mit Fidel Castro.

So, ab geht die wilde Fahrt. Zwar hab ich kein Ticket im eigentlichen Sinne. Die Schalter Frau hat dem Busfahrer was auf Spanisch zugerufen, ich drückte ihm den Fahrpreis bar in die Hand und los geht’s.
Auch wenn das ganze nach Unterschlagung des Fahrpreises riecht, kann man dem Busfahrer und seiner Crew gewiss keine Mangel an politischem Interesse nachweisen. An der Frontscheibe des Busses prangt ein Aufkleber mit dem Statement “Atomkraft? Nein Danke!” #läuft

In Havanna angekommen ging es für mich auf die Suche nach der Unterkunft, die Lenz gebucht hatte. Netterweise hat er mir dafür noch einige GPS Koordinaten mitgegeben. Dummerweise war das Haus auf dem Foto nicht an den angegebenen Koordinaten zu finden. Nach etwas suchen überlegte ich als letzte Hoffnung, dass die Zahl an der Adresse wohl die Hausnummer sein müsste. Also hieß es für mich nochmals 400 Nummern weiter die Straße entlang gehen. Letztlich fand ich das Haus dann doch und wurde von einer sehr netten Familie empfangen.

Abends habe ich mit einem anderen Gast der Unterkunft etwas das Viertel erkundet und zum Schluss eine Pizza gegessen. Da sie nicht sehr reichhaltig war beschlossen wir für später noch ein paar Burger zu kaufen, auch damit Lenz etwas zwischen die Kiemen bekommt nach der langen Reise.

Ich war schon mit einem Fuß aus unserer Unterkunft hinaus um Lenz abzuholen, da hielt mich die Mutter unseres Gastgebers auf und machte mir klar, dass Lenz bereits schon unterwegs sei und gleich mit dem Taxi ankommen würde. Aus diesem Grund platzierte ich mich auf dem Balkon um auf ihn zu warten. Und ich wartete und wartete und wartete. In keinem der circa 100 Taxen die vorbeikamen saß ein bleicher Europäer mit Brille. Ich wollte das warten schon fast aufgeben und mich fußläufig auf die Suche nach Lenz machen, als ich plötzlich sein Anlitz unter dem Eingang erblickte. Es fielen gleich mehrere Steine vom Herzen.

Nach der ersten Begrüßung verkündete ich stolz mein Geschenk. Die Burgen würden wir zwar kalt essen müssen aber immerhin waren sie recht stattlich.
Freudig nahmen wir den ersten Bissen. Wie bei einem Kind, das von Weihnachtsmann enttäuscht wurde verschwand nach diesem Bissen das Lächeln aus unseren Gesichtern. Für einen Moment gar die Freude aus unseren Herzen.
Es war wohl das ekligste Essen meines Lebens. Die Frikadelle war qualitativ so schlecht, dass sie in der EU nicht einmal die Vorgaben für Tierfutter erfüllen würde. Das Fleisch war eine Mischung aus halbgarem Hack, Knorpel und anderweitig undefinierbaren Stückchen. Der Hunger zwang es jedoch in uns hinein. Vielleicht war es echt dumm. Aber so hungrig wie wir waren musste essen halt sein…
Die Vorstellung an diese Burger lässt selbst beim Schreiben eine gewisse Übelkeit in mir hochkommen. Zusammen mit Steve beschlossen wir, bisweilen nicht mehr das nunmehr verbotene B-Wort zu nutzen.

Für eventuelle Fehler im Text entschuldige ich mich bereits im Voraus zu tiefst, aber mein Magen macht ein erneutes durchleben dieses Ergebnisses nicht mit.

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