Wo auch immer wir grade sind

W
Gestern Abend hatte der Spinner der neben mir im Camper pennt die Ehre einen Gastbeitrag zu schreiben. Nur leider war er nach den ersten drei Zeilen schon halb am einschlafen woraufhin ich übernahm. Etwa 45 Sekunden später fing der kleine um 7 Uhr Abends an zu schnarchen und war erst nach über 11 Stunden später wieder ansprechbar. Also schrieb ich doch den gestrigen Bericht, während er wie ein kleines Mädchen neben mir schlief.. 😀 Mal sehen wie weit er heute kommt! 😛 Ich koche jetzt mal was, während er von diesem Tag erzählt, wo wir uns gefühlt andauernd verirrt haben und am Ende irgendwo auch angekommen sind, auch wenn wir eigentlich dachten, dass wir knapp 30km weiter östlich wären. 😀
Navi ist etwas für Leute die schnell sein wollen und möglichst kurze Wege fahren möchten. Vielleicht deswegen haben wir uns entschlossen einfach mal nicht das Handynavi zu nehmen sonder mit Karte zu fahren. Das ging soweit auch echt gut. Bis zu dem Moment wo verschiedene Karten verschiedene Dinge zeigten. Aber dazu später. Heute Morgen klingelte echt schon um 6 Uhr der Wecker. Auf unserem Stellplatz am State Highway 1 nördlich von Kaikoura hörte man echt nichts außer das Geräusch von vorbeifahrenden Trucks die ohne Rücksicht auf Verluste über die Straße rasten. Wir starteten also noch im Dunkeln, der am Horizont auftauchenden Sonne entgegen – auf der Suche nach einem Platz zum frühstücken. Irgendwann haben wir einen Platz gefunden. Zwar mussten wir 30km mehr Weg in Kauf nehmen, dafür gab es einen riesigen, menschenleeren Strand. Die perfekte Belohnung für das frühe Aufstehen.

Wohl gesättigt ging es dann nach Blenheim wo Lenz den letzten Post hier hochgeladen hat. Bis auf W-Lan gab es in der Stadt nichts wirklich spannendes für uns und wir haben recht zügig die Weiterreise zur Hafenstadt Picton angetreten. Nach einer erstaunlich kurzen Fahrt haben wir die Bucht von Picton erreicht, welche auf den ersten Blick eine Mischung aus einem norwegischen Fjord und Port Royal aus “Fluch der Karibik” ist. Moment… Karibik ist eigentlich ja immer ziemlich heiß. Das einzig heiße heute war wohl ich wie ich im weißen Unterhemd unsern Camper gefahren hab 😀 Spaß bei Seite, es war heute echt angenehm warm. 
Mittlerweile Frage ich mich aber echt, wer die Menschen einstellt, die in den örtlichen Touristeninformationen arbeiten: Nach Kaikoura war Picton die zweite Stadt in der uns die Infomenschen gesagt haben, dass es eigentlich in ihrer Stadt nichts zu gäbe aaaaaaaber 20 Minuten weiter der Straße entlang gibt es was was man unbedingt gesehen haben muss. Wie dem auch sei, auch heute ging es der Empfehlung nach die Straße entlang weiter über den “Queen Charlotte Drive”. Jedoch sollten vorher noch unsere Nerven strapaziert werden. Vom Strand in Picton aus haben wir ein paar Häuser mit perfektem Blick über die Bucht gesehen. Also nichts wie rauf da und schauen ob der Blick sich lohnt. Die Straße war echt verdammt steil. Hoch ging es echt gut, unser kleiner Camper, bei dem wir immer noch nicht wissen, wo jetzt eigentlich der Motor ist, ist den Hang hochgelaufen wie Usain Bolt beim 100m Sprint. Oben angekommen war es echt gut. 
Wir wollten grade wenden und wieder nach unten fahren, da kommt ein altes Auto dem Berg hochgeprescht und hält direkt hinter uns. Der blauhaarige Fahrer, offenbar stark von uns genervt, konnte sich dann schließlich doch durchringen etwas zur Seite zu fahren so dass wir wenden könnten. Wie das abgelaufen ist erkläre ich jetzt hier lieber mal nicht. Soviel sollte aber gesagt werden: Auf einer Straße, die im zweiten Gang nur schwer bezwungen werden kann, schräg zu stehen ist definitiv nicht allzu cool. Nach dieser, wie soll ich sagen, interessanten Gegebenheit sind wir nun den “Queen Charlotte Drive” entlang gefahren. Er war echt den Weg wert. 
Leider habe ich nicht so viele Bilder mit dem Handy gemacht.
Auf der Passstraße reihte sich ein fantastischer Ausblick an den nächsten. Nachdem wir es von über 150m Höhe wieder auf Meereslevel geschafft hatten, breitete sich vor uns ein echt chicer Strand aus. Wir schmissen uns aus dem Camper mehr oder minder direkt ins Wasser.
Es war auch gar nicht kalt, und wir hätten bestimmt auch eine Stunde im Wasser ausgehalten, aber nach ein paar Minuten verging uns die “Lust” bei 16 Grad Wassertemperatur. Als Belohnung für unseren Mut haben wir uns dann während der Weiterfahrt von der Autoheizung trockenblasen lassen. Vor dem reinspringen hatten wir unsere schnelle Abfahrt nach dem Schwimmen bereits akribisch mit Handtüchern auf den Sitzen etc. geplant, damit wir nicht zu sehr erfrieren würden, nach dieser Schnapsidee. Aus den für den Weg von der Infodame veranschlagten 40 Minuten wurden dann doch einige mehr. So etwa 3 Stunden.
Kurz vor dem Ende der Straße sollte eine andere Straße kommen, die uns auf eine Art Landzunge bringen sollte, an der viele schöne Wanderwege losgehen sollten. Es kam wie es kommen musste: Wir sind am der Straße vorbeigefahren, was uns natürlich erst in der nächsten, etwas größeren Stadt auffiel. Es hieß somit umdrehen und diesmal den richtigen Abzweig nehmen. Wir fanden ihn diesmal auf Anhieb. Bis jetzt klingt ja auch alles echt gut.
Wir dachten es würde eine Vielzahl an Campingplätzen kommen auf die wir uns stellen können. Die Straße war eine Welt für sich: Es gab Farne, Palmen und andere tropisch anmutende Pflanzen. Wir fuhren und fuhren, doch kein Stellplatz kam, bzw. konnte irgendwie erahnt werden. Wir drehten also erneut um. Irgendwann stellte Lenz “leicht” genervt fest, dass es hier wohl keine Plätze gibt. Wir parkten auf der einsamen Straße und stellten uns nun intensiver der Schlafplatzsuche mit der schnell endenden Dämmerung im Hinterkopf. Nach einem erneuten Blick auf die Karte schien ein Platz wieder direkt hinter uns zu sein. Also sind wir ein zweites Mal an ihm vorbei gefahren? Dieser Gedanke löste dann einen allgemeinen Unmut über die Situation aus. Es half aber nichts, wir mussten wieder umdrehen um in der eintretenden Dunkelheit noch einen Platz für die Nacht zu finden. Es kam wie es kommen musste, wir fanden keinen Platz. Aber in einer Seitenstraße, entlang eines Fjordes, sahen wir einige Häuser, da es keinen Sinn mehr hatte auf den verschiedenen Karten, die alle verschiedenen Namen für die verschiedenen Orte hatten, nach dem Stellplatz zu suchen hofften wir auf einheimischen Hilfe bei der Suche. Wir bogen in die Straße ein und plötzlich war aller Frust vergessen. Wir waren wieder auf Höhe des Fjordes und durch eine Lücke in den Büschen sahen wir wohl einen der schönsten Sonnenuntergänge.
Mit neuem Mut aber in nahezu kompletter Dunkelheit suchten wir Leute die uns weiterhelfen könnten. Nach einigen leeren Häusern sahen wir etwas über der Straße zwei Häuser in denen Licht brannte. Also nichts wie hoch da und klingeln. Oben bei den Häusern angekommen hörten wir hinter einem parkenden Auto ein grunzen und sahen irgendeine Bewegung. Plötzlich sah ich etwas, schwarz weiß gemustertes, mit gesenktem Kopf auf uns zu laufen. Meine erste Intention war ein Bordercollie mit Husten, doch als das Tier ins Licht trat war es doch kein Hund sonder lediglich ein neugieriges Schweinchen was vor sich hin trottete.
Die Bewohner des Grundstücks waren echt sehr nett, konnten uns jedoch auch nicht wirklich zeigen wo wir jetzt sind, doch nach einem kurzen Gespräch haben sie uns erlaubt unseren Camper bei Ihnen unter zu stellen.
So haben wir einen schönen Platz gefunden und können dabei sogar noch ein bisschen was sparen. Ganz allein. Irgendwo. Wo auch immer. Das klären wir morgen.
Cheers Thorben und Lenz
Heute Nacht sind wir wieder auf einem Platz hier im nirgendwo. Leider reicht das Internet nicht für Bilder. Die Unglaublich tollen Bilder des Tages werde ich morgen noch zu diesem Beitrag hinzufügen. Wann genau nach deutscher Zeit weiß ich noch nicht. Wir fahren jedenfalls morgen früh nach Nelson Richtung Westen entlang der Küste, wo wir einen Bekannten aus Deutschland treffen. Aber dazu mehr im übernächsten Beitrag 😉 Den zu heute versuche ich morgen zu schreiben.

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